Samstagskolumne Peter Jakob König, 23.7.2011

So, legen wir nun einmal los!

Zu kommentieren gibt es wahrlich genug auf dieser Welt, besonders in diesen Tagen, die geprägt sind, von großen Veränderungen, sowohl kultureller als auch wirtschaftlicher Art. Von Hungersnöten und Völkerwanderungen, bedingt durch die wirtschaftliche Ausbeute ganzer Kontinente in den letzten Jahrhunderten, sehen Millionen von Menschen nur noch eine Chance zu überleben, indem sie versuchen dorthin zu gehen, wo sie glauben, eine eigene Zukunft zu haben, nämlich in die Industrieländer der westlichen Hemisphäre.

Wir sehen den verzweifelten Versuch dieser Menschen, die Barrieren des Mittelmeeres oder aber die Demarkationslinie  zwischen den USA und Mexiko zu überwinden, immer in der Hoffnung, eine bessere Zukunft zu erlangen, die weltumspannende Kommunikation zeigt ihnen ja permanent wie relaxed, ja wie glamourös das Leben dort zu sein scheint.

Und was sehen wir? Wir sehen die Staatslenker in  diesen Wohlstandsstaaten, die rund um die Uhr versuchen, der immer schneller anschwellenden Schuldenlawine neue Konzepte entgegenzusetzen. Staatsbankrott, ein Begriff den es bisher nicht gab, muss jetzt erst einmal in die Konzeptionierung volkswirtschaftlichen Handels eingebaut werden.

In der Darstellung unserer Politiker jedoch ein zu bewältigendes Problem. Der Gipfel der Eurostaaten hat, so will man den Völkern weißmachen, nach einigen Stunden der Beratungen ein lösbares Konzept. Umschuldung, Laufzeitverlängerung, Milliardenpakete und alles ist wieder im Lot.

Dabei kommt natürlich die Frage auf:  Wo sind die  Ursachen und wie kommen Lösungen zustande? Gut, der Verursacher ist ausgemacht: die amerikanische Immobilienkrise. Die amerikanischen Banken haben gegen fette Provisionen Geld zum Kauf von Immobilien an Personen vergeben, die niemals in der Lage waren, jemals dieses Geld zurückzuzahlen. Da man dies auch wusste, hat man diese „faulen Kredite“ in neue Finanzprodukte eingearbeitet und sie weltweit an die Finanzmärkte gebracht.

Man suggerierte, dass man hohe Gewinne mit  diesen Produkten erzielen könne. Somit griffen weltweit große und kleine,  private und staatliche Banken von der Gier nach immer höheren Renditen getrieben, alle Kontrollen außer Acht lassend und ohne überhaupt zu verstehen, worum es sich dabei handelt, raffsüchtig zu. Man konnte von verantwortlichen Bankmanagern lesen, dass sie selbst nicht verstanden haben, worum es sich bei diesen Produkten gehandelt hat. Allein die Aussicht auf astronomische Provisionen ließen ihre Pupillen  groß werden.

Und die Lösung nun heilsartig in Brüssel geschmiedet, verspricht schnelle Erlösung von dieser weltumspannenden Pest. Dabei hat mich jedoch ein Bild in der Freitagsausgabe der „FAZ“  sehr nachdenklich gemacht. Jean Claude Junker, der luxemburgische Ministerpräsident und der deutsche Bankchef Josef Ackermann beglückwünschen sich euphorisch zu dem Gelingen des Rettungspaketes für Griechenland und zur Stabilisierung des Euro. Dem beistehenden Text war zu entnehmen, dass Herr Ackermann eine führende Rolle bei der Beratung der europäischen Spitzenpolitiker einnimmt.

Hat man hier vielleicht den Bock zum Gärtner gemacht?

Die Banken haben die Krise ausgelöst, die Banken sollen wiederum in der Lage sein, die Krise zu bewältigen. Herr Ackermann  ist natürlich ein honoriger Mensch, weltweit hoch angesehen in seinem Fach.  Nicht zu vergessen aber ist, dass er in erster Linie als Banker seine Interessen vertritt und sie auch vertreten muss. Dies ist sein Job.

Die Aufgabe der Politiker, zumal der führenden europäischen Politiker ist es, die Interessen der Menschen der jeweiligen Staaten  zu vertreten und in der Währungsunion möglichst zu einem Konsens zu kommen. Dabei  würde es jedem einzelnen von uns wieder leichter fallen, Vertrauen in die Politiker aufzubauen, wenn wir seitens unserer Volksvertreter mehr Aufklärung und Ehrlichkeit erfahren würden.

Vielleicht würde man es schaffen können, eine Gegenbewegung gegen die weltweit grassierende Gier einzuleiten. Ein wichtiger Schritt im Bemühen zur Umkehr, weg von dieser Gier und Maßlosigkeit, weg von dem einzigen Ziel der Gewinnmaximierung wäre wohl den auszubildenden Menschen, sei es in der Schule, sei es an der Universität und zwar weltweit,  Ethik zu implantieren. Globalisierung ist nicht allein Teil des wirtschaftlichen Handelns, sondern muss zuallererst  Teil des ethischen Denkens werden. Erst dann werden die Völker in der Lage sein, friedlich auf diesem immer vernetzter werdenden Globus leben und arbeiten zu können.  

Wenn es nicht gelingt,  das Gefälle zwischen arm und reich auf ein vernünftiges Maß auszugleichen, d.h. jeder auf dieser Welt geborene  Mensch muss eine reale Lebenschance bekommen, und nicht wie aktuell tausendfach erlebbar, ein Massensterben von Kindern stattfindet, weil Hungersnöte am Horn von Afrika die Menschen buchstäblich verrecken lässt und dabei noch kriminelle Banden unter dem Deckmantel der religiösen Unabhängigkeit, Hilfe seitens der Völkergemeinschaft nicht erlaubt, solange alles dieses immer wieder möglich ist, steuert unser Globus auf eine finale Katastrophe zu.

Das einzig wirklich probate Mittel dieser Entwicklung entgegenzusteuern, ist eine weltweite Bildungsoffensive. Als junger Student bin ich durch viele Länder dieser Erde gereist, durch Europa,  durch  Nord-, Mittel- und  Südamerika, durch Afrika und Ostasien. Zwei Eigenschaften haben mir das Gefühl gegeben überall irgendwie dazu zu gehören, nämlich zuerst der Respekt vor der jeweils anderen Kultur, und außerdem ein großes Maß an Neugierde zu entwickeln, um zu erfahren, wie mein jeweiliges Gegenüber  denkt. Dies hat mich erkennen lassen, wie großartig diese Welt eigentlich sein kann, wenn Menschen nicht versuchen, durch radikales Vorteilsdenken jegliches Gleichgewicht zu zerstören.

Wir entscheiden wo  die Reise hingeht: Krieg,  Zerstörung und Tod oder gemeinsame kulturelle Vielfalt. Der Schlüssel zu allem ist die Bildung, weltweit und für jedermann.

Europa hat sich auf den Weg gemacht. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden europäische Krisen mit Waffengewalt gelöst. Wie schön ist es zu sehen, wenn jetzt der französische Staatspräsident die deutsche Bundeskanzlerin zur Begrüßung freundschaftlich küsst, um dann nach einer Lösung bei Problemen des europäischen Währungsverbundes zu suchen.

Europäische Vielfalt, welche Chance, welches Glück. Nörgler sagen, wir Deutsche zahlen die Zeche, wobei man bei der europäischen Integration, zu der natürlich alle europäischen Staaten gehören, nicht davon sprechen kann, dass es sich um die Belastung nur für uns Deutsche handelt. Fakt ist, dass wir Deutsche ganz gut an diesem gemeinsamen Europa verdienen, wenn man bedenkt, dass Deutschland größter Exporteur in die europäischen Staaten ist. Frieden, Freiheit und Prosperität ist bestimmt keine Einbahnstraße. Also weg mit der egoistischen Brille, hin zu einer fairen Offenheit. Wir müssen die Vielfalt des Seins annehmen.


Peter J. König

Kommentare:

  1. Guten Morgen Herr König,

    gratuliere zu der neuen Kolumne. Hat mir sehr gut gefallen. Sehe ich auch so. Griechenland verhält sich zu uns wie Bayern zu Bremen und Egoismus hat dabei keinen Platz.

    Problem weltweit ist nur, dass die dominierenden (privaten und unternehmerischen) Verhaltensweisen schlicht mafiös und ultraegoistisch sind. Dies wird flankiert durch Menschen, die durch eines getrieben sind: Gier nach Geld. Ich lebe in Kreuzberg und habe gestern mit einem jungen Libanesen gesprochen bzw. ihn gefragt, welche Träume er hätte. "Geld, viel Geld, dann ist alles klar." Dies liegt nicht nur an fehlender Bildung, sondern auch an den Götzen, die wir alle anbeten. Eine Bildungsoffensive kann man nicht verordnen, die muss man vorleben. Dabei sehe ich schwarz. Leider.

    Max W.

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  2. Lieber Peter,

    zu dem Start Deiner Kolumne darf ich Dir gratulieren und wünsche Dir eine fruchtbare und angeregte Diskussion.

    Liebe Grüße

    Sylvia

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  3. Sehr geehrter Herr W., dankenswerterweise haben Sie meine Ausführungen nicht nur bestätigt, sondern sie auch aus Ihrer Sicht untermauert.

    Ich bin erschüttert über die Ereignisse in Oslo, das unendliche Leid von so vielen Familien, die ihre lieben Angehörigen durch eine Wahnsinnstat eines verblendeten, größenwahnsinnigen Irren verloren haben.

    Leider aber bestätigen die Vorgänge in Norwegen die Thesen, die wir gemeinsam benannt haben.

    Ich möchte an dieser Stelle mein großes Mitgefühl für die unmittelbar betroffenen Menschen aber auch für die gesamte norwegische Bevölkerung aussprechen.

    Umso wichtiger ist es auf die Gedanken, die ich in meiner Kolumne dargelegt habe, zurückzukommen.

    Ohne Bildung, ohne Ethik, ohne Liberalität keine Toleranz.

    Deshalb ist es so notwendig, dass wir die Vielfalt des Seins fördern. Deshalb ist es so notwendig, dass wir uns in unserem kulturellen Spektrum nicht immer weiter einengen, indem wir in der Breite der Bevölkerung amerikanische "Soap-Operas" als Lebensentwürfe übernehmen.

    Beste Grüße
    Peter J. König

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  4. Liebe Sylvia, vielen Dank für den freundlichen Willkommensgruß.

    Leider zeigen die Ereignisse in Oslo die negativen Seiten menschlichen Seins, so dass ich unter diesem Eindruck meinen Einstieg darauf fokussieren muss.

    Später möchte ich auch die positive Seite menschlichen Seins beleuchten und darzustellen versuchen, zu was Menschen auch fähig sind, in Technik, Erfindergeist, kulturellen Höhenflügen und nicht zuletzt im empathischen Miteinander.

    Ich möchte aufmerksam machen auf die unendliche Schönheit der Natur, die tiefe der Empfindung im Freundeskreis und die Fähigkeit auch die scheinbar unbedeutenden Dinge des Lebens als großartig zu sehen.

    LG Peter J. König

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