Samstagskolumne Peter Jakob König, 10. September 2011

Mal wieder das liebe Geld!
In dieser Woche fand die Aussprache über den Bundeshaushalt 2012 im Bundestag statt. Finanzminister Schäuble hat nicht ohne einen gewissen Stolz dargelegt, dass die Neuverschuldung geringer ausfällt, die Mastricht-Kriterien eingehalten werden und die Regierung die Lage im Griff habe, der Euro stabil sei und die überschuldeten Länder  in der Eurozone, speziell Griechenland, mit der härtesten Maßnahme rechnen müssen, die die Regierungen der Euroländer durchführen können, die nächste Auszahlungstranche aus dem Rettungsschirm, sie soll Ende September kommen, zu verweigern. Die Folge allerdings wäre, dass Griechenland pleite ist, aus dem gemeinsamen Währungsverbund aussteigen müsste, mit unübersehbaren Folgen für Griechenland selbst, aber auch für alle anderen Länder der Eurozone.
Der Minister gab sich überzeugt, Einwürfe der Opposition begegnete er scharfzüngig, wobei er Peer Steinbrück, dem ehemaligen Finanzminister der großen  Koalition, führendes SPD-Mitglied und bestimmt ein ausgewiesener Kenner dieser schwierigen Materie, ungebührendes Benehmen vorwarf, wo dieser doch als Kanzlerkandidat der SPD bei der nächsten Bundestagswahl antreten würde.
Es war einmal wieder, wie immer, eine schöne Politshow, mit den entsprechenden Protagonisten, nicht zu vergessen Greogor Gysi , brillant als Redner, stimmig in seiner Argumentation, volksnah, da einfach und verständlich, aber leider nur sehr vordergründig, da nur parolenhaft und selten praktikabel. Alles klingt so einfach und plausibel, leider aber nur in der Theorie. In der Praxis sieht der Gysische Königsweg allerdings anders aus. Da bestimmen Sachzwänge, längerfristige Überzeugungen, interstaatliche Abhängigkeit, sei es durch bi- oder multilaterale Verträge oder wirtschaftliche Notwendigkeiten, den Lauf der Realpolitik. Doch ich muss zugeben, ich höre Herrn Gysi immer gerne zu. Er ist ein kurzweiliger Redner. Seine Rhetorikschule wäre für so manchen Minister oder Abgeordneten eine Bereicherung, aber letztendlich kommt es auf die Inhalte an.
Dazu gibt es allerdings einige wesentliche Fakten, die bei solch einer Debatte nicht erwähnt werden, weder von der Regierung und von den Parteien, die sie bilden, noch von der Opposition.
Fakt ist nämlich, dass der Schuldenstand pro Kopf in Deutschland momentan 24.500 Euro beträgt, soll heißen, ob Säugling, Greis oder jeder andere Bürger, wir sind alle in dieser Höhe mit Staatsschulden belastet. Dazu kommt noch einmal ein Bürgschaftsvolumen von 3.600 Euro, ebenfalls pro Einwohner der Bundesrepublik Deutschland. Es sind astronomische Summen, die da zusammenkommen. Wie soll das jemals zurückgezahlt werden, zumal die Zinsen, die dafür anfallen, mittlerweile den zweitgrößten Posten im Bundeshaushalt ausmachen.
Wir stecken quasi in der Zinsfalle. Nach den Sozialausgaben, größter Posten im Haushalt, werden etwa 80 Milliarden allein  an Zinsen für die Verschuldung veranschlagt. Natürlich taucht dabei die Frage auf: Wer verdient denn durch diese Zinsen oder durch den Rettungsschirm, mit dessen Einbehaltung Minister Schäuble so medienwirksam in Richtung Griechenland wedelte. Antwort:  Die Banken, nicht zuletzt die Deutsche Bank, die durch eine Tochtergesellschaft bei der Immobilienkrise in den USA kräftig mit gemischt haben soll,  jedenfalls ist sie  in dieser Woche von den amerikanischen Aufsichtsbehörden zu einer Milliardenklage vor Gericht gezogen worden.
Es ist undurchsichtig, das Geschäft mit den Finanzen. Die Finanzindustrie verdient Unsummen, die Allgemeinheit zahlt, der Bürger staunt, aber allmählich kommt Unruhe auf, bei diesen schwindelerregenden Zahlen. Dazu  gesellt sich die fehlende Transparenz für den finanzpolitischen Laien, ja selbst für den engagierten Beobachter gibt es kein Durchblicken mehr.
Folge: Angst vor der Zukunft, mangelndes Vertrauen in die Politik,  Politikverweigerung. Alles dieses ist nicht unproblematisch für die Demokratie. So passiert es auch, dass die Rechtsradikalen mit 6% in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern einziehen und die Liberalen von der Bildfläche verschwinden. Dabei  möchte ich als ehemaliges FDP-Mitglied,  selbst einige Jahre in einem Kreisvorstand aktiv,  ganz offen sagen,  dass diese Partei in der jetzigen Form komplett abgewirtschaftet hat.
Liberalität, demokratische Grundrechte, individuelle Stärke zum Wohle der Gemeinschaft, alle diese Eigenschaften, die die FDP einmal vertreten hat,  außenpolitisches Gespür zum Erfolg unseres Landes, alles das ist auf der Strecke geblieben.
Zum Schluss bleiben nur noch Machtgezänk und die dumpfe Parole zur Steuersenkung. So kann sich eine ehemals wichtige Partei selbst zerlegen, so gehört sie nicht mehr zu dem, was in unserem Land wählbar ist. Die Gedanken und Ziele, die einst diese Partei ausmachten, sind jedoch  aktueller den je. Ein radikaler Neuanfang muss her.
Und nun noch ein paar Fakten und Zahlen, die mich diese Woche besonders alarmiert haben. Seit einiger Zeit gibt es in der Bevölkerung Menschen, die sich zur  Aufgabe gemacht haben, gegen das Vernichten von durchaus brauchbaren Lebensmitteln zu Felde zu ziehen. Dabei entstand eine mittlerweile immer größer werdenden Aktion “Watch the waste“. Sinn dieser Aktivität ist der Erhalt von Lebensmitteln, die nicht verbraucht oder nicht verkauft, einfach auf den Müll geworfen werden, anstelle sie einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Beachtliche  Erfolge zeigen sich dabei durch die Bewegung der „Tafeln“.
„Tafeln“ sind Einrichtungen, die von privaten Helfern organisiert, Menschen, die sich kein vernünftiges Essen mehr leisten können, ein solches zu ermöglichen. Die Lebensmittel stammen dabei oft von Supermärkten, Unternehmen der Lebensmittelindustrie, oder auch von Privatpersonen. Diese Produkte wurde nicht verkauft oder sie wurden überproduziert. Sinnvoll ist es, diese Nahrung den Bedürftigen zukommen zu lassen, anstatt sie einfach zu entsorgen. Mittlerweile gibt es viele Tafeln landauf, landab.
Ergänzend dazu folgende Informationen: Weltweit werden etwa 35%  aller produzierten Lebensmittel weggeworfen. In Deutschland sind  es über 50%. Man hat errechnet, dass der Hunger in der Welt besiegt werden könnte, wenn man diese Nahrungsmittel nicht einfach auf den Müll werfen würde, sondern sie den Hungernden dieser Welt zur Verfügung stellt. Ich weiß, dass dieses Unterfangen nicht so einfach ist, wie hier dargestellt, denn es gibt Bedingungen, die schwierig zu überwinden sind, um ein solches Vorhaben in die Praxis umzusetzen.
Wir erleben es momentan am Horn von Afrika in Somalia, wo etwa 800 000 Menschen vom Hungertod bedroht sind. Bringen wir also die Überproduktionen zu diesen armen Menschen. Leider ist dieses nicht so einfach möglich, denn die islamischen Rebellengruppen lassen dies nicht zu, es passt nicht in ihre Ideologie. So gibt es weltweit viele Sachzwänge, die einfache Hilfe nicht möglich macht, weil die Egoismen der Herrschenden, den elementaren Notwendigkeiten der Hungernden entgegenstehen.
Auch bei den internationalen Hilfsorganisationen sollen Konkurrenzdenken und andere Motive nicht humanistischer Natur gelegentlich hinderlich sein.
Trotz allem müssen wir umdenken, es ist unsere Pflicht, gegen die größten Widerstände alles zu unternehmen, um diesen Globus menschlicher zu machen. Letztendlich tun wir es ja für uns selbst.

Peter J. König 

Samstagskolumne Peter König, 3. September 2011

11. September 2001 – 11. September 2011: 10 Jahre offener Kulturkrieg?
In wenigen Tagen gilt es ein  Ereignis zu erinnern, das sich zum 10. Male jährt, das an Leid und Verzweiflung kaum zu überbieten ist und das ein Novum in der medialen Welt darstellt, der gezielte Flugzeugabsturz auf die „Twin-Towers“, dem  World- Trade-Center, einst gelegen im Bankenviertel von New York, im südlichen Teil Manhattans.
An diesem 11. September 2001, etwa zwischen 9 und 10 Uhr Ortszeit, haben al Qaida-Terroristen   die beiden Zwillingstürme mit Verkehrsflugzeugen angegriffen, die sie vorher in einer konzertierten Aktion nach dem Start in Boston gekapert hatten. Nachdem sie auf dramatische Weise die Führung dieser beider Flugzeuge übernommen hatten, flogen sie in einem Abstand von etwa einer Stunde nacheinander in die imposanten Hochhäuser.
Ich selbst habe öfters auf der Aussichtsplattform eines der Gebäude gestanden.  Welch`   gigantischer Ausblick auf die Weltmetropole New York, doch auch, welche Distanz zu „Level Zero“, dem festen Boden, dessen Nähe man eigentlich nicht vermisst, wenn man Wolkenkratzer besteigt, und wenn keine Bedrohung aus der Luft in einem Bruchteil von Sekunden Bedingungen entstehen lässt, die in einem tödlichen Inferno enden.
Jedoch weshalb haben sich diese „islamischen Gotteskrieger“, wie sie sich selbst bezeichnen, gerade das World- Trade- Center und nicht etwa die Freiheitsstatue, nur geringe Distanz entfernt im Hudson River gelegen, als Zielobjekt ihres Hasses ausgesucht?
Es mag unterschiedliche Gründe technischer Natur dafür geben, gewiss ist aber, dass die Symbolkraft dieser alles überragenden Gebäude der wahre Grund dieser Attacke, Amerikaner sprechen von einem Kriegsüberfall auf ihr Land, darstellt. Kein Gebäude in der westlichen Welt hat so den Kapitalismus, so die wirtschaftliche Überlegenheit des Westens, speziell der Amerikaner, symbolisiert wie das World-Trade-Center.
Dieses zu vernichten, dabei abertausende  von unschuldigen Menschen mit in den Tod zu reißen, ungeachtet des eigenen Lebens, war Ziel dieser einzigartigen terroristischen Aktion. Welch` ein perfider Plan!
Ziel all dieser Aktionen von Osama bin Laden  und seiner Mudschahidin  sollte die wirtschaftliche Schwächung der westlichen Wirtschaftsordnung sein. Durch lang anhaltenden Terrorismus und die damit verbundenen Komplikationen des wirtschaftlichen Kreislaufes, sollte  letztendlich der Schutz dieses Gefüges so unendliche Kosten verursachen, dass die Wirtschaft jegliche Rentabilität verliert und langsam ausblutet.
Terroristische Ereignisse, die diesem Ziel dienen sollten, haben wir zu Genüge beklagen müssen, etwa in Madrid, auf Bali oder in Tunesien, um nur einige Terroraktionen zu nennen. Wir in Deutschland hatten dabei bislang sehr viel Glück, denn Versuche, auch bei uns durch tödliche Bombenanschläge die Gesellschaft zu destabilisieren, hat es ebenfalls gegeben. Die Bomben sind Gott sei Dank nicht explodiert, oder die Aktivitäten dieser „Irren“ wurden frühzeitig entdeckt und man konnte sie aus dem Verkehr ziehen. Ob das beim nächsten Mal auch so sein wird, ist allerdings fraglich.
Zurück zum 11. September 2001. Ich erinnere mich noch genau, es war nach 9 Uhr, als ich auf dem Weg in mein Büro, im Autoradio durch die Sondermeldung geschockt wurde, ein Flugzeug sei in einen Turm des World Trade Center geflogen, man wisse noch nichts Genaues, weitere Meldungen würden unmittelbar folgen.
Im Büro angekommen, schaltete ich sofort den Fernseher ein, um mich durch CNN zu informieren. Beim ersten Bild  überkam mich Eiseskälte, aber auch eine Ungläubigkeit, ja ich zweifelte sogar an der Realität dieser Bilder, die aus einem Hubschrauber kommen sollten, der in gebührendem Abstand über Süd- Manhattan kreiste.
Eines der Gebäude war getroffen, etwa in Dreiviertelhöhe. Schwarze Rauchsäulen stiegen aus einem Loch, das einer klaffenden Wunde ähnelte. Die Stockwerke ober- und unterhalb dieser Öffnung schienen intakt zu sein. Der zweite Turm war unbeschädigt. Ich saß völlig erstarrt vor den Fernsehbildern. Erinnerungen schossen mir durch den Kopf, wie ich immer einmal wieder, wenn ich in New York war, bei schönem Wetter mich hoch auf die Außenplattform katapultieren ließ. Die Aufzüge waren mit die schnellsten, weltweit.
Oben auf dem Dach von New York konnte man die riesigen Ausmaße von Manhattan, einst als Siedlung von Indianern gegründet und danach von den ersten weißen Siedlern als Handelsstützpunkt ausgebaut, mit bloßem Auge erkennen, links Hudson- rechts East River und den Stadtteil Queens. Jenseits des Hudson-Rivers weiter nördlich, beginnt das grüne Connecticut, Natur pur, im Gegensatz zur Betonwüste Manhattans. Irgendwie fühlte man sich entrückt, hier oben an diesem windigen Platz.
Aber diese Bilder jetzt, das gibt es nicht, muss wohl doch  etwas aus der Küche Hollywoods sein. Die Aufnahmen, die jetzt auch von Kamerateams zu Füßen der „Tower“ gemacht wurden, begannen allmählich das Ausmaß der Geschehnisse zu dokumentieren. Feuerwehrzüge fuhren ununterbrochen auf die Plattform zwischen den beiden Türmen, Menschen strömten aus dem Gebäude, das Schicksal vieler Unschuldiger nahm seinen Lauf. Doch das Inferno sollte sich noch steigern, zunächst indem auch der zweite Turm von einem Flugzeug getroffen wurde, ich habe es live im Fernsehen verfolgt, irgendwie benommen und doch unmittelbar visuell dabei.
Dann immer mehr Bilder aus unterschiedlichen Perspektiven rund um die verwundeten Türme.   Die Menschen, die versuchten, aus den Stockwerken oberhalb der Einschlagstellen mit weißen Tüchern durch die schmalen Öffnungen der Fenster winkend, in ihrer höchsten Not auf sich aufmerksam zu machen, und die armen Geschöpfe, die letztendlich  keinen Ausweg mehr aus dieser Apokalypse sehen konnten und den Freitod wählten, indem sie in die Tiefe sprangen. Es müssen Hunderte gewesen sein.
Ich sah es und war sinnentleert, unfähig mich von dem Bildschirm zu entfernen. Bei dem Gedanken mich in die Lage dieser Verlorenen zu versetzen, überkam mich das kalte Grausen. Dabei war das vernichtende Ende noch gar nicht eingetreten. Das kam nach wenigen Stunden, als ein Turm nach dem anderen plötzlich in sich zusammensackte, und dieser riesige Trümmerhaufen von einem überdimensionalen Staubkokon eingehüllt wurde. Die Menschen flüchteten in alle Richtungen, weg von der Stelle des Desasters, und wurden doch von der Staubwalze eingeholt. Das Schicksal hatte zugeschlagen, die Terroristen hatten ihre Ziele erreicht.
Von diesem Zeitpunkt an war die Welt eine andere geworden. Das scheinbar unbesiegbare Amerika war im Mark getroffen, zutiefst verunsichert und traumatisiert. Eine Illusion war zerplatzt, die Illusion nämlich, dass nach dem Untergang der Sowjetunion und damit verbunden die Vorstellung, dass Amerika als einzig verbliebene Supermacht, das alleinige Sagen auf diesem Globus haben würde, diese Vereinigten Staaten unantastbar sind. Man wurde eines Besseren belehrt, auf eine grausame, barbarische Weise.
Danach rief George W. Bush den Krieg gegen den Terrorismus aus. Er marschierte in Afghanistan und im Irak ein und errichtete Gefangenenlager  wie  Abu ghraib und Guantanamo. Er verschrieb sich dem Kampf gegen das „Böse“.
Doch was ist  das „Böse“?  Wie und warum entsteht das Böse?  Ist es die reine Mordlust, die die jungen Menschen in die Arme von al Qaida treibt?
Nicht nur junge Männer aus rückständigen arabischen Staaten mit existierenden Feudalgesellschaften, wie z.B. Pakistan, Afghanistan  oder Jemen, wo gut ausgebildete junge Menschen den Verheißungen der Islamisten folgen und in den "Heiligen Krieg" ziehen, sondern auch in westlichen Gesellschaften glauben "Berufene",  bei der Beendigung der Unterdrückung arabischer Staaten durch die westlich dekadente Gesellschaft, mithelfen zu müssen. Die Motive all dieser Glaubensbrüder sind wohl sehr unterschiedlich und oftmals nicht ergründbar.
Fakt aber ist, dass das Wohlstandsgefälle auf unserer Erde gewaltig ist und immer mehr zunimmt. Zwar entstehen in einigen Ländern neue Mittelschichten, wo noch vor wenigen Jahrzehnten, wie in China z.B. durch den Maoismus die pure Gleichmacherei herrschte, die staatliche Planwirtschaft eine individuelle  wirtschaftliche Entwicklung nicht möglich war. Entsprechend in Indien oder Brasilien, wo die Menschen keine Aufstiegschancen hatten, da der Reichtum für einige Wenige vorbehalten war.
In diesen Ländern entwickeln sich die tragenden Säulen einer freien Volkswirtschaft und damit auch die politische Gewichtung innerhalb der Völkergemeinschaft. Nicht umsonst begehrt Indien und Brasilien neben Deutschland  einen ständigen Sitz im UN- Sicherheitsrat. Diese Staaten sind jedoch Ausnahmen im Kreise der Vereinten Nationen. 
Den allermeisten Staaten, besonders in Afrika, Mittel- und Südamerika, geht es schlecht. Dort bereichern sich einige wenige Blutsauger maßlos, denn oftmals sind diese Staaten reich an Bodenschätzen. Bei einer fairen Verteilung der Ressourcen, hätten auch diese Länder ein großes Entwicklungspotential. Aber wie immer ist es die Gier Einzelner, die die Möglichkeit des Aufstiegs aller unterbindet.
Wobei wir jetzt endgültig bei der Ursache alles Bösen sind,  bei der Gier nach Geld und Reichtum.  Beileibe bin ich nicht derjenige, der nicht weiß, das Geld eine wichtige Triebfeder für den Aufbau  von Wohlstand und Sicherheit des einzelnen Menschen ist. Ich weiß aber auch, dass das Individuum das Geld beherrschen muss und  nicht umgekehrt das Geld das Individuum.  Ist erst einmal die falsche Abhängigkeit vorhanden, dann nimmt das Böse seinen Lauf. Leider musste ich in meiner eigenen Familie genau diesen seelenlosen Zustand erleben. Doch wie in einer Familie entwickelt sich auch das Böse innerhalb der Staaten untereinander.
Über Jahrtausende haben sich Völker überfallen, bekriegt und annektiert. Schon in der menschlichen Ur-Epoche als die Entwicklung  vom Homo erectus zum Homo sapiens, also vom reinen Sammler zum Mensch, der dank seiner weiterentwickelten geistigen Fähigkeit in der Lage war, Werkzeuge zu entwickeln und damit seine Lebensbedingungen zu verbessern, ging es darum, die eigenen Voraussetzungen auf Kosten von anderen  zu maximieren.
Zuerst war es notwendig die Ernährungssituation dauerhaft zu sichern, mit der Folge, dass dadurch die Zahl der eigenen Stammesmitglieder sprunghaft anstieg, man hatte für mehr Nachkömmlinge gesicherte Nahrungsquellen. Durch die Jahrtausende wiederholte sich dieses Spiel ständig und es ging nicht mehr nur um den reinen Existenzkampf. Die Gier hatte Einzug gehalten. Der Neid führte dazu, dem anderen etwas wegzunehmen, wenn man es vermeintlich selbst nicht hatte.
Noch heute oder vielleicht gerade heute leben die Industriestaaten auf Kosten der unterentwickelten Länder, denn sie kassieren ihre Rohstoffe, um damit ihren eigenen Lebensstandard zu verbessern oder zu erhalten. Interessant ist dabei  die aktuelle Entwicklung zweier Staaten des Nahen Ostens, nämlich Libyens  und Syriens. Beide wurden angemahnt, die Grundrechte der Menschen in diesen Ländern einzuhalten, d.h. sie nicht umzubringen, weil sie ihre Despoten loswerden wollen, um demokratische Strukturen einzufordern. In Libyen hat man schnell eine militärische Lösung gefunden,  allerdings nicht allein um Gaddafi  loszuwerden, nein, man wollte sich auch die enormen Öl- und Gasvorkommen sichern. Syrien besitzt kaum solche Bodenschätze, deshalb ist das Engagement zur Demokratisierung eher halbherzig.
Zum Schluss möchte ich noch eine Möglichkeit erörtern, die zwar jetzt wie eine reine Utopie klingt, um die wir aber letztendlich schon aus Vernunftsgründen nicht herumkommen. Die Staatengemeinschaft muss es schaffen, eine globale Regierungsform zu entwickeln. Ansätze dazu gibt es ja durch die UNO mit ihren Unterorganisationen. Erst wenn dieses rechtlich bindend geschafft ist, haben alle Menschen auf diesem Planeten eine faire Chance zu existieren.
Keine Kriege um Ressourcen, keine Verteilungskämpfe, keine Despoten, die blutrünstig  aus reiner Verschwendungssucht die Existenz von Millionen von Menschen gefährden, und kein Verlust durch sinnlose Zerstörung.  Welche Effekte werden dadurch freigesetzt, zum Wohle des Einzelnen und zum Wohle aller.
Dann wird es auch keinen Kampf der Kulturen mehr geben. Der 11.September 2001  wird nur noch eine mahnende Erinnerung an das „Böse“ sein, eine immerwährende Aufforderung an die Menschheit, positiv und fair miteinander umzugehen.   Der Blick von der Aussichtsplattform  der neu erbauten Türme auf  "Ground Zero" wird nicht belastet sein durch die Frage: Wird es jemals wieder zu solch einer menschlichen Tragödie kommen? Nein, wir werden  nur noch diese aufregende, pulsierende, niemals schlafende Stadt wahrnehmen, mit den engen Straßenschluchten, dem verwirrenden Verkehrsgewühl und der sommerlichen Hitze. All diesem kann man aber leicht entfliehen, mit einem kurzen Sprung über den Hudson und man ist in Connecticut, wo das andere Amerika beginnt.  

Peter J. König



Samstagskolumne Peter J. König, 27.8.2011

Schlechte Zeiten für Despoten

Der Aufstand in Libyen geht dem Ende entgegen. Mit dem Einmarsch der Regierungsgegner, der Aufständischen des libyschen Volkes, in die Hauptstadt Tripolis, ist der Fall des Oberst Gaddafi besiegelt. Dennoch kommt es zu den blutigsten Auseinandersetzungen des gesamten Volksaufstandes.


Der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtet von Hunderten von Toten auf beiden Seiten, sowohl bei den Regierungstruppen, als auch bei den Regierungsgegnern. Zum ersten Mal wird bei dieser Auseinandersetzung auch von Gräueltaten berichtet, Hinrichtung von Gefangenen des jeweils anderen Lagers.


Genau dieses versuchte die Übergangsregierung in Bengasi zu verhindern, indem sie immer wieder aufrief, keine Revancheakte zu unternehmen, indem sie darauf verwies, den Graben in der lybischen Bevölkerung nicht noch dadurch zu vertiefen, dass blutige Hinrichtungen die Möglichkeiten eines zukünftigen gemeinsamen Staates noch weiter erschweren.


Die Volksgemeinschaft Libyens ist per se sehr diffizil. Sie besteht aus vielen einzelnen Stammeseinheiten. Rivalitäten waren schon immer an der Tagesordnung. Gaddafi hat sich die Loyalität dieser Gruppierungen mit dem Geld aus dem Ölreichtum des Landes erkauft.


Hundertmillionen Dollar pro Tag hat der Diktator mit Öl und Gas umgesetzt und er allein hat bestimmt, für wen das Geld ist und wozu es benutzt wird. Die libysche Zentralbank war seine Vermögenschatulle. Er hat daraus seine Prachtpaläste, persönliche militärische Einrichtungen und seine weibliche Leibgarde -alle Kämpferinnen mussten mit einem Biss eine Schlange töten können- bezahlt.


Jedoch auch der Anschlag auf den PAN-AM-Jumbo, mit Absturz in Lockerbie (Schottland) und auch der Sprengstoffanschlag auf die Diskothek "La Belle" in Berlin wurden aus dieser Kriegskasse finanziert.


42 Jahre hat dieser selbsternannte moderne Nero sein Land und seine Leute geschunden. Es gab keine Parlamente und keine irgendwie geartete Mitbestimmung mehr. Wegweisend für alle war seine "Grüne Bibel", eine Ansammlung von verwirrten und obskuren Gedanken, wohl nachempfunden der "Mao-Bibel", einstmals der Leitfaden der chinesischen Revolution, ersonnen von dem Volkstribun Mao tse-Tung für den langen Marsch der Aufständigen durch das Riesenreich der Mitte.


Auch Gaddafi hatte einst eine Revolution angezettelt, in dem er als Hauptmann in der lybischen Armee König Idris, ein Nachkomme des Sufi-Ordens der Sanoussi, der von den Briten eingesetzt wurde, nachdem sie Tripolitanien und die Syreneica während des Zweiten Weltkrieges erobert hatten, ins Exil nach Ägypten geputscht hat.


Heute sagen einstige Weggefährten des Hauptmannes, der in seiner Führerrolle angekommen, sich mit dem Titel eines Obersten schmückte, er sei schon damals recht eigenartig gewesen.


Diese Eigenarten lebte der Operettenherrscher sichtbar vor allen Kameras der internationalen Presse exzessiv aus. Einmal in eine Fantasieuniform gewandet, alsbald als Beduinenführer samt Kulisse in Form eines großen Wüstenzeltes, war wohl die absurdeste Verkleidung sein Auftritt als altrömischer Herrscher in Toga und mit einem Goldreif gekrönt.


Fakt ist, dass sich Gaddafi unendlich bereichert hat und an seinen Händen viel Blut klebt. Milliarden von Dollars und Euro hat er für sich und seine Familie im Ausland deponiert. Allein in Deutschland wurden 7 Millarden Euro auf seinen Konten eingefroren, in Österreich sollen es 11 Millarden sein und es gibt noch einige andere Länder, wo solche Despoten gerne Rücklagen für die Zeit nach ihrer Karriere verbuddeln.


Wir wissen von früheren Potentaten aus Afrika oder der Karibik, dass sie gerne ihren "Ruhestand" an der der sonnigen Cote d`Azur verbracht haben. Äußerst großzügige Anwesen mit Blick aufs blaue Meer, hermetisch abgeriegelt, den Keller voller Goldbarren und diplomatisch geschützt, gaben sie den "Bonvivant" auf Cap Ferrat, Cap d`Antibes oder auch im Stadtteil "Californi", dem Nobelviertel von Cannes.


Doch die Zeiten haben sich geändert, seit in Den Haag der internationale Gerichtshof eingerichtet worden ist, vor dem alle möglichen Staatsverbrecher angeklagt werden. Nun ist es für Despoten kaum mehr möglich, sich nach vollbrachter Verbrecherkarriere mit den Blutmilliarden einen glänzenden Ruhestand zu erkaufen.


Wenn der internationale Haftbefehl des Gerichtshofes ausgeschrieben worden ist, müssen die Beitrittsländer den gesuchten ausliefern. In der Regel tun sie es auch. Die Fluchtpunkte für Gaddafi und Co werden immer weniger und die begehrten "Hot-Spots" früherer Zeiten sind sowieso alle tabu, da Länder wie Spanien, Frankreich oder die Schweiz natürlich mittlerweile sofort ausliefern würden.


Kommen wir also zurück auf die Ausgangslage mit der Frage, warum geben Gaddafi und seine Schergen nicht endlich das grausame Gemetzel auf?


Dies haben wir soeben ja erläutert. Gaddafi selbst und auch einige seiner Söhne werden per Haftbefehl aus Den Haag gesucht.


Also keine Möglichkeit, ein neues Beduinenzelt über den Höhen von "Eze sur mer" mit einem wunderschönen Blick von Monaco bis Cap Ferrat aufzustellen. Algerien würde sich noch anbieten, da das Land das Gesetz zum Beitritt zum internationalen Gerichtshof noch nicht ratifiziert hat, somit noch nicht ausliefern muss.


Doch das Land scheint nicht spektakulär genug zu sein, für einen Mann mit so schillernder Vergangenheit. Und ob er dorthin seine weibliche Leibgarde mitnehmen dürfte, ist fraglich.


Seine angeheuerten Söldner aus anderen afrikanischen Staaten haben auch keine große Chance heil aus Libyen herauszukommen. Sie wollen möglichst verbrannte Erde hinter sich lassen, bevor sie von den Aufständischen erwischt werden.

Und Gaddafi, was bleibt ihm?

Selbst die Rolle als Märtyrer scheint für ihn nicht mehr möglich zu sein, nachdem er vor zwei Tagen aus einem mobilen Studiowagen per Audiobotschaft, Frauen und Kinder des Landes aufgefordert hat, die Regierungsgegner, quasi die eigenen Männer und Söhne, die Brüder und Väter, umzubringen, um Libyen zu retten.

Schlechte Zeiten für Despoten.

Peter J. König